Heilsbringer Hollywood

Gerade habe ich einen Film gesehen, der trotz toller Musik (Danke, José González) und wunderschönen Landschaftsaufnahmen aufgrund seines platten Witzes und einer aalglatten, voraussehbaren Handlung leider nicht empfehlenswert ist.

Der Film handelt vom Ende der Zeitschrift Life, die ihre legendären Druckausgaben einstellt, um voll auf das Online-Business zu setzen. Hintergrundthema des Films ist, dass hunderte von Menschen, die die Zeitschrift jahrzentelang gemacht haben, gefeuert werden.

Da ich schon länger keine Hollywood-Produktion mehr gesehen habe und das Thema des Films eben das Genannte war, ging ich davon aus, dass der folgende Text im Abspann ein Verweis darauf sei, dass dieser Film diesem Trend des kalten, gedankenlosen Entledigens von „Humankapital“ etwas entgegengesetzt habe:

The making and authorized distribution of this film supported over 15,000 jobs […]

Meine spontane Reaktion darauf war, zu ergänzen:

…yeah, and made one person a whole lot richer – Ben Stiller.

Mein Zynismus ist aber noch angebrachter, als ich in diesem Moment ahnte, denn wie ich nach kurzer Recherche herausfand, wird diese Formulierung scheinbar mittlerweile bei amerikanischen Produktion regelmäßig eingesetzt. Die Idee ist wohl, denjenigen, die den Film bei Kinox.to eingeschaltet oder bei Pirate Bay heruntergeladen haben, ein schlechtes Gewissen zu machen. Die Aussage ist: Ihr gefährdet mit Eurem Verhalten 15.000 Jobs. Wahrer Hintergrund ist aber wohl eher, dass die Rendite eines Menschen geschmälert wird.

Ben Stiller steht hier natürlich für mehrere Menschen – eine Handvoll wahrscheinlich – aber auf jeden Fall deutlich weniger als die für die Argumentation der Filmindustrie bemühten 15.000 Menschen, die eine solche Produktion stemmen.

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